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Institut für medizinische Beratung und Gutachten

Neues aus der Medizin

Arthrose am Gelenk durch ein Enzym hervorgerufen:

Wird der Mechanismus dieses Enzyms blockiert, kann dies die Gelenkzerstörung stoppen. Die unkontrollierte Produktion des Enzyms soll kennzeichnend sein für frühe Stadien der Arthrose.

 

Osteoporose:

 

An Osteoporose leiden zu ca. 80 % Frauen, Brüche am Oberschenkelhals und der Wirbelsäule treten dabei am häufigsten auf. Mit Brüchen ist die Osteoporose dennoch "nur" zu 4 %  verbunden.

Sofern bei Wirbelbrüchen die medikamentöse Therapie nicht ausreichend hilft, auch Orthesen (Mieder) und Krankengymnastik die Beschwerden nicht entscheidend bessert, ist eine Vertebroplastie (Einbringen von Zement) oder eine Kyphoplastie (Einbringen von Zement nach vorheriger Ballonkatheteraufdehnung zur Aufrichtung der Wirbelsäule) angezeigt: Bei beiden Eingriffen ist unbedingt das Austreten von Zement in den Wirbelkanal zu meiden, als Hauptkomplikation zu bezeichnen. Vor allem der Kyphoplastie wird die meiste Wirkung hinsichtlich Schmerzminderung zugeschrieben.

Meniskusverletzung:

 

Mit den herkömmlichen Tests lassen sich Meniskusschäden gemäß einer neueren Studie nicht ausreichend sicher nachweisen. Die Standsicherheit ist nach diesen Erkenntnissen trotz Meniskusschaden nicht beeinträchtigt. Sehr wohl ist aber bei Kreuzbandrupturen die Stabilität durch Gleiten der Oberschenkelrolle auf dem Unterschenkelplateau vermehrt, was zu einem beschleunigten Meniskusabbau und zusätzlichen Verlust an Stabilität führen kann.

Neu ist der Thessaly-Test, der gegenüber den bisherigen Tests deutlich bessere Nachweisergebnisse zeigt, und unter Belastung geprüft wird, wo erfahrungsgemäß auch die meisten Beschwerden auftreten.

Kniescheibenbruch:

 

Es gibt eine Vielzahl von Bruchformen, Quer-, Längs- und Trümmerbrüche, z. B. beim direkten Sturz auf das Knie (Motorradsturz). Nicht operativ sollten nur unverschobene Brüche behandelt werden, Stressbrüche. Häufige Verlaufskontrollen obligat. Ansonsten ist die Versorgung standardgemäß mittels modifizierter Zuggurtungsosteosynthese mit 2 Drähten plus 8-er Tour mit Schlinge, biomechanisch stabiler soll die Zuggurtungs-Schraubenosteosynthese sein, wobei 2 Schrauben mit einer 8-er Tour Schlinge verbunden werden. Die Kniescheiben-Entfernung kommt nur bei Infekt in Betracht, hier ist dauerhaft mit einem erheblichen Kraftverlust zu rechnen.

Schenkelhalsbruch:

 

Der Bruch des Oberschenkelhalsbruches ist meist eine Verletzung im höheren Lebensalter, sollte gemäß den Leitlinien der Gesellschaft für Unfallchirurgie innerhalb von 24 Stunden operiert werden. In einer großen Studie war jede 5. Operation erst nach 48 Stunden vorgenommen worden, was zu einem Anstieg von Komplikationen führte. Generell gilt auch heute, dass - aus welchen Gründen auch immer - von den älteren Patienten ca. 20 % im 1. Jahr nach dem Eingriff versterben. Entscheidend dazu trägt bei, dass das Aktivitätsniveau und ggf. soziale Unabhängigkeit nach der Verletzung und Operation nicht mehr erreicht werden. Zumindest aber für den Krankenhausaufenthalt kann aktuell in Deutschland auch bei verzögerter Operation keine erhöhte Sterberate nachgewiesen werden.

Chronische Knochenentzündung (Osteitis):

 

Die Knochenentzündung unterscheidet sich von der Osteomyelitis, in dem bei letzterer die durch Blutgefäße gestreute Aussaat von Infekten. Die Osteitis als Knochenentzündung wird als die in Folge eines Unfalls in aller Regel entstandene lokale Heilungsstörung verstanden. Rötung, Schwellung, Sekretaustritt und "unruhige" Narben sind typisch. Entscheidend ist die Infektbekämpfung mittels operativer Entfernung des abgestorbenen und entzündeten Materials - Debridement.  Zusätzlich wird eine mikrochirurgische Lappenplastik angestrebt, z. B. von der Wade. Eine "Infektruhe" wird ggf.  erst nach mehreren Operationen zu erzielen sein. Nach neueren Erkenntnissen ist diese Infektruhe bei etwa 90 % zu erreichen. Die übrigen Folgen sind dennoch erheblich: Eine Arbeitsunfähigkeit von 2 Jahren oder mehr ist keine Seltenheit, jeder 4. muss berentet werden, jeder 3. eine andere berufliche Tätigkeit einschlagen.

 

Rückenschmerz:

Gemäß einer neuen Studie, veröffentlich in Der Orthopäde, ist das Auftreten von Rückenschmerzen zumindest einmal jährlich bei 2 von 3 Bürgern belegt. Frauen sind mehr als Männer betroffen, der Erkrankungsgipfel liegt zwischen 50 und 59 Jahren. Übergewicht begünstigt Rückenschmerzen, da der Körperschwerpunkt nach vorne verlagert wird im Stehen und Gehen und dadurch vermehrte Haltearbeit des Achsenorgans erforderlich wird.

Bei aktiven Freizeitsportlern sind Rückenschmerzen deutlich gemindert. Dagegen stellt körperlich anstrengende Arbeit einen Risikofaktor dar. Die anschließende Ruhe in der Freizeit ist eher schädlich für solche Arbeiten. Psychischer Stress verstärkt die Wahrnehmung von Rückenschmerzen.

Keinen Einfluss haben Schichtarbeit und Überstunden. Von ungünstigen Sitzpositionen abgesehen, ruft langes Sitzen keine Rückenschmerzen hervor: Diejenigen, die am längsten beruflich sitzen, hatten eher die geringsten Rückenschmerzen. Eine depressive Selbsteinschätzung war auffallend häufig mit Rückenschmerzen verbunden und fördert eine Chronifizierung der Schmerzen. Als Ursache wird ein Rückzugsverhalten, eine Zentrierung der Gedanken auf die Rückenschmerzen und folglich Schmerzverstärkung angenommen.

 

Am häufigsten wurden Rückenschmerzen beobachtet bei Publizisten, Postangestellten, Zustellern, Installateuren, Köchen und Friseuren.

Am niedrigsten war das Auftreten bei Polizisten, Feuerwehrleuten, bei Ärzten, Apothekern, erstaunlicherweise auch bei Gartenbauberufen wie Garteningenieuren und Floristen.

 

Arterielle Verschlusskrankheit (AVK), arterielle Durchblutungsstörung:

 

Bei ca. 95 % Folge der Arteriosklerose, in der Bevölkerung bei ca. 6 bis 8 % anzunehmen. Kann an den Beinen mittels Dopplerverfahren nachgewiesen werden. Eine Ratio Bein Zu Arm im Verhältnis 0,9 und weniger gilt als Nachweis einer AVK. Bevorzugte Methode die farbkodierte Duplexsonographie. Abgeklärt werden müssen auch die Herzkranz- sowie hirnzuführenden Arterien.

Im Vordergrund steht neben der Senkung von Einflüssen wie Rauchen, erhöhter Blutfette, erhöhter Blutzucker (DIABETES), Gerinnungsförderern (Pille, verschiedene Medikamente) das Gehtraining beim klinisch manifesten Stadium.

Entscheidend ist bei fortgeschrittenen Stadien die Wiederherstellung der Strombahn durch Stenteinlagen (Radiologen) oder Gefäßbrücken (Chirurgen). Eine eingeschränkte Gehfähigkeit kann sich ungünstig auswirken auf die Arbeitsfähigkeit (Wegefähigkeit), ein erfolgreicher größerer Gefäßersatz wird unabhängig von der Durchblutungsverbesserung mit einem GdB von 20 eingeschätzt.

 

Handgelenks- oder Speichenbruch:

 

Häufigster Bruch mit ca. 12 bis 15 % aller menschlichen Brüche. Betrifft durch Sturz auf die Hand (Schwindel, Gleichgewichtsverlust) v. a. ältere Menschen. Lt. Unfallchirurg, Studie publ. 2010, sind in letzter Zeit vermehrt Brüche operiert statt in Gips behandelt worden. Durch die Operation wird eine frühzeitig bessere und belastungsstabile Handgelenkssituation erreicht.

Von entscheidender Bedeutung für das Endergebnis ist die Rekonstruktion des Speichen-/Ellenverhältnisses, so dass der Bruch nicht eingestaucht bleibt. Hier hat sich die von der Beugeseite des Unterarms her eingebrachte Platte am besten bewährt. Bisher eher unterschätzt wurden neben den knöchernen Verletzungen die Risse am Bandapparat, am Diskus (TFCC), die zwischen 25 bis 75 % der Fälle (teils unerkannt) auftreten und die Ergebnisse verschlechtern. Die unbehandelten Bandläsionen münden in einer Instabilität am körperfernen Unterarmgelenk. Die eingeschränkte Funktion kann zu einer Berufsunfähigkeit bei Handwerkerberufen oder Dienstleistern (Kellnern/-innen) führen, zu einem GdB von 10 bis 30 je nach Schwere der Funktionsstörung.

 

 

Neues aus der Begutachtungsmedizin

Das frühere Schwerbehindertenrecht wurde zum Jahreswechsel 2008/9 nichtmehr fortgesetzt, sondern als § 2 der Versorgungsmedizin Verordnung weitergeführt. Inhaltlich ergeben sich jedoch für die Bewertung kaum Änderungen, noch immer gelten die GdB Empfehlungen aus den Anhaltspunkten 2004 mit den Ergänzungen bis 2008 fort. Für die Nachteilsausgleiche G, B und aG gelten dieselben Bestimmungen, zu aG hat sich das BSG 2008 wiederholt geäußert.

In der 2. Änderungsverordnung 2010 wurden die Bestimmungen für die Bewertung des Diabetes mellitus neu gefasst. Nun ist (wieder) ein GdB von 40 möglich bei einer täglichen 4-fachen Insulingabe, dosisangepasst. Ferner ist ein GdB von 50 möglich bei stark schwankenden Werten.

Voraussetzung sollen jeweils das lückenlose Führen eines Blutzuckerpasses mit täglich mehrfachen Eintragungen sein, diese Bestimmung ist noch immer gültig. Nachweis von aufeinanderfolgenden Messungen über Tage, Wochen plus Insulinanpassungen notwendig, andernfalls wird nur eine Bewertung mit 20 vorgesehen.

 

In der 3. Änderungsverordnung 2010, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt 22.12.10, werden die Werte für ENDOPRTHESEN deutlich gesenkt. VORSICHT bei ÄNDERUNGSANTRÄGEN!

 

Eine Hüft-TEP wird nun mit 10 statt bisher 20 bewertet. Zudem eine (komplette) Knieprothese mit 20 statt bisher 30. Voraussetzung ist eine gute Funktion. Es entfällt der GdB von 50 für 2 Knieprothesen plus die automatische Vergabe von "G".

In der 4. Änderungsverordnung vom 28.10.11 wurden Verhaltensstörungen bei Jugendlichen, ferner myelodysplastische Syndrome neu bewertet. In der 5. Änderungsverordnung vom 11.10.12 wurden akute Leukämien bewertet.

 

Die neue VERSMEDV aus 2013 hat sämtliche Änderungsvorschläge aufgenommen und die bisherigen GdB- bzw. GdS- Werte großteils übernommen.

 

Mit Inkrafttreten der Änderungen in der Pflegeversicherung 2017 wurden die bisherigen 3 Pflegestufen plus Härtefallregelung abgelöst durch 5 Pflegegrade.

Bewertet wird jetzt die Selbständigkeit körperlicher und geistig- seelischer Fähigkeiten im Alltag wie Kommunikation, Selbstversorgung, Durchführung ärztlicher Maßnahmen und die Gestaltung des Alltagslebens. Gewichtete Punkte ergeben bei der Mobilität 10, bei der Psyche (Module 2 und3) 15, bei der Selbstversorgung 40, bei Maßnahmen 20 und bei der Gestaltung 15 (gewichtete) Punkte maximal: Pflegegrad 1 ab 12,5, Pflegegrad 2 ab 27, Pflegegrad 3 ab 47,5, Pflegegrad 4 ab 70, Pflegegrad 5 ab 90 Punkten.

 

 

 

 

 

 

 

 

Feststellung einer Behinderung nach § 69 SGB IX

Der Knieschaden als beruflich bedingt

Berufskrankheiten Meniskopathie und Gonarthrose - Funktionelle Anatomie und Biomechanik des Kniegelenks. Gibt es ein belastungskonformes Schadensbild?
Die „Gonarthrose durch die Tätigkeit im Knien oder vergleichbare Kniebelastungen ..." soll als neue BK-Nr. 2112 in die offizielle Berufskrankheitenliste aufgenommen werden. Dabei wird aber diskutiert, dass unklar die Ursache, Ausmaß eines belastungskonformen Schadensbildes, konkurrierende Faktoren sind.

 

 

Das HWS-Schleudertrauma

Das Schleudertrauma führt noch immer zu zahlreichen Forderungen durch die Verletzten, wird aber nur selten hinsichtlich der Folgen anerkannt.  Nicht eindeutige, insbesondere für den Laien schwer durchschaubare medizinische Sachverhalte nach Unfalleinwirkungen können nach Meinung von Sachverständigen ausschließlich über ein medizinisches Gutachten eine Klärung finden. Kausalitätsfragen sind umso leichter zu beantworten, je schwerer die ursprüngliche Verletzung war.

 

Handelt es sich hingegen um sogenannte harmlose - meist nicht-strukturelle - Verletzungen (z. B. eine Prellung, Zerrung, Stauchung, Erschütterung etc.), sind häufig schon die primären Befundmerkmale mehrdeutig, der Symptomverlauf  abhängig von subjektiven Wertungen des betroffenen Patienten wie nicht selten auch des behandelnden Arztes. Es wird auch eine rein stressinduzierte Anfangssymptomatik von vegetativen Symptomen beschrieben ohne tatsächlich eingetretene Verletzung.

 

Beim Schleudertrauma misslingt fast ausnahmslos der klinische, neurologische und radiologische Verletzungsnachweis, die Symptomentwicklung seit dem Unfall stellt dennoch die Frage in den Raum, ob diese tatsächlich - alleine - durch den Unfall verursacht wurde. Die Lösung dieser gutachtlichen Aufgabe verlangt ein klar strukturiertes gutachtliches Denken, gestützt auf gesicherte medizinische Erkenntnisse einerseits und Beachtung der Beweisregeln der geltenden Rechtsordnung andererseits.

 

 

 

 
fische

 
 

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